Interview mit Beatrix Wenrich
Montag, den 24. Oktober 2011 um 08:01 Uhr
Interview mit Beatrix Wenrich, Projektleiterin beim Stadtverband Sporttreibender Vereine (SSV) e.V. und beim Betreuungsverein Ganztagesschulen in Friedrichshafen.
Frau Wenrich, Sie haben am 1. September bei SSV und Betreuungsverein als Projektleiterin begonnen. Wie sind Sie auf die Stelle aufmerksam geworden?
Ich habe Sportwissenschaft in Karlsruhe studiert mit Bachelor-Masterabschluss und dem Schwerpunkt Sport mit Kindern und Jugendlichen. Während meines Studiums habe ich in diesem Bereich an Kindersportschulen und in Sportvereinen bereits viel praktische Erfahrung gesammelt. Auch motorische Tests habe ich durchgeführt. Direkt nach meinem Studium arbeitete ich zwei Jahre als Sportlehrerin an einem Gymnasium. Dabei habe ich festgestellt, dass mir die konzeptionelle Arbeit zu diesem Thema fehlt. Bei der Suche nach einer Stelle, die praktische und konzeptionelle Arbeit im Kinder und Jugendbereich verbindet, bin ich im Internet auf die Ausschreibung von SSV und Betreuungsverein gestoßen.
Die Kombinationsstelle ermöglicht mir neben der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, auch eine konzeptionell- organisatorische Arbeit. So organisiere ich unter anderem den Kinderturntest. Weitere Projekte beim Stadtsportverband betreue ich federführend. Für den Betreuungsverein führe ich als Sportfachkraft selbst Sportkurse an verschiedenen Schulen im Ganztagesbereich durch.
Mit welchen Tätigkeiten haben Sie begonnen?
Ganz zu Beginn galt es erst einmal sich in die SSV Projekte und das Thema ‚Ganztagesbetreuung‘ an den verschiedenen Schulen des Betreuungsvereins einzuarbeiten. In einem zweiten Schritt muss ich nun die Strukturen in Friedrichshafen, die Schulen und Ansprechpartner der einzelnen Institutionen kennenlernen. Speziell auch für den Kinderturntest, den ich als erstes Projekt angehe. Hierzu fanden bereits vor meiner Zeit Gespräche zwischen Schulen, Kindergärten und einzelnen Personen der Stadt und des SSV statt. Auch gab es bereits eine Testhelferschulung. Dass der Test bisher nicht durchgeführt werden konnte, ist zunächst an personellen Ressourcen und aus zeitlichen Gründen gescheitert.
Wie lange hat es gedauert, sich in den Test einzuarbeiten?
Da ich an der Universität Karlsruhe, wo der KinderturntestPlus entwickelt wurde, studiert habe, kannte ich den Test aus Theorie und Praxis bereits. Mehr Energie musste ich in das Kennenlernen der Häfler Strukturen aufwenden. Jetzt befinden wir uns bereits in der detaillierten Planung. Neben Planungsgesprächen mit Rektoren, suchen und schulen wir Testhelfer, bereiten Anschreiben und Informationsmaterial vor, planen den genauen Testablauf und organisieren das gesamte Rahmenprogramm. Nach den Herbstferien sollen die Tests dann an den Grundschulen, die alle freiwillig und mit großem Interesse daran teilnehmen, starten.
Das heißt, zunächst werden die Kinder in den Grundschulen getestet?
Genau. Zielgruppe der Tests sind 3-10jährige Kinder. Das heißt Kindergarten- und Grundschulkinder. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten (vorhandene Turnhalle) haben wir mit den Schulen begonnen. Während dieser Phase möchte ich dann die Gespräche mit den Kindergärten aufnehmen. Dabei soll es in einem ersten Schritt grundlegend um ein reines Informations- und Austauschgespräch gehen.
Können sie erklären, warum der Kinderturntest durchgeführt wird, was er den Schulen, Eltern und Kindern bringt?
Die Gesellschaft ist im Wandel. Sie wird immer älter. Es gibt immer weniger Kinder und Jugendliche, die einem immer stärker werdenden Einfluss durch Medien, wie Internet und Fernsehen, ausgesetzt sind. Eine Straßenspielkultur, wie es sie früher gab, ist nur noch wenig vorhanden. Kinder spielen vermehrt im Haus und in geschlossenen Räumen. Dies kann zu Veränderungen in der motorischen Leistungsfähigkeit führen. Mit Hilfe des Kinderturntests möchten die Stadt und der SSV erfahren, wie es um die motorische Fitness der 3-10-Jährigen in Friedrichshafen steht. Die Eltern erhalten durch den Test eine direkte Rückmeldung, wie fit Ihr Kind ist. Die Kinder selbst erleben ein besonderes Sportereignis. Und die Schulen können erkennen in welchem Bereich Sie Bedarf haben bzw. ob Ihre bisherige Arbeit von Erfolg gekrönt ist.
Neben diesem Projekt gibt es das Projekt „Ganztagesschulen“. Dort sind Sie in mehreren Funktionen unterwegs. Wie funktioniert das genau?
Zum einen gibt es das Projekt des SSV „Ganztagesschulen“, zum anderen meine Tätigkeit für den Betreuungsverein – FN.
Mit dem Projekt Ganztagesschulen hat sich bisher Herr Strack beschäftigt. In diesem Zusammenhang soll das Häfler Modell wieder aufgerollt werden. Herr Strack war diesbezüglich bereits sehr aktiv. Bei der letzten Mitgliederversammlung des SSV hat er eine überarbeitete Version des Häfler-Modells vorgestellt. Im nächsten Sportforum am 27.10.11 wird das Antragsformular vorgestellt. Hierbei arbeiten wir mit dem Sportkreis zusammen. So können sich auch Vereine, deren Anträge beim Sportkreis abgelehnt wurden, dennoch für das Häfler-Modell bewerben, indem sie den Antrag des SSV ausfüllen. Auf diese Weise können sie ihre Kooperation Schule – Verein mit einem Zuschuss durch das Häfler-Modell starten.
Und in welcher Höhe bewegt sich der Zuschuss? Steht das schon fest?
Nein, das steht noch nicht fest. Bis zum Sportforum wird das jedoch bekannt sein.
Heißt das, Verein und Schule müssen sich vor dem Modellantrag zusammentun?
Das wäre ideal. Es kann aber auch anders laufen. Durch meine Tätigkeit beim Betreuungsverein, bei der ich selbst Sportangebote an den Schulen gebe, kann ich sehr schnell einen Kontakt zwischen Verein und Schule herstellen. Damit wären wir dann auch bei meinem zweiten Arbeitsbereich für den Betreuungsverein. Dieser wünscht sich ein stärkeres Engagement und mehr Kooperationen zwischen Vereinen und Schulen. Meine Aufgabe wird es sein mit Vereinen das Gespräch zu suchen und über mögliche Kooperationen zu sprechen.
Sie sind dann als Ansprechpartner von Seiten des Betreuungsvereins für die Vereine zuständig?
Genau. Wenn jemand Ideen hat und sich engagieren möchte, aber noch nicht genau weiß, wie eine Kooperation aussehen und funktionieren könnte oder welche Schule zu dem Angebot des Vereins passt, so kann er oder sie gerne auf mich zukommen. Ich suche die passende Schule und bringe Verein und Schule zusammen. Wichtig ist natürlich, dass ein Verein bereits in etwa weiß, welches Ziel verfolgt wird und in welchem Umfang die Kooperation ablaufen soll. Hier sind verschiedene Formen möglich.
Es gibt noch das Projekt „Integration durch Sport“, wo auch bereits ein Kindergarten-Projekt durchgeführt wurde. Wird das fortgeführt?
Für dieses Projekt ist Herr Lingg zuständig. Ich werde ihn bei seinen Projekten allerdings unterstützen. Das Projekt im Bonhoeffer-Kindergarten war sehr erfolgreich. Die Ergebnisse wurden bereits in der Presse veröffentlicht. Das ist jetzt in dieser Form als Leuchtturmprojekt abgeschlossen. Wir freuen uns natürlich, wenn weitere Kindergärten oder Vereine auf uns zukommen oder Eltern die Initiative ergreifen, dieses Projekt auch an anderer Stelle zu übernehmen. Der Projektkoffer liegt bei uns in der Geschäftsstelle bereit und wartet auf seinen nächsten Einsatz.
Als nächstes Projekt plant Herr Lingg eine Art Natchfußball - Liga.
Nachtfußball- Liga?
Hier soll die Zielgruppe der 16 – 20 jährigen angesprochen werden. Herr Lingg steckt bereits mitten in der Planung. Neben dem Bau einer Fußballbox ist er zur Zeit auf der Suche nach Sponsoren und auch nach einer berühmter sportlichen Persönlichkeit, die die Schirmherrschaft übernehmen oder vielleicht selbst bei dem Turnier vor Ort sein und eine Art Vorbildfunktion für die Jugendlichen ausüben kann.
Wo kann man sich darüber näher informieren?
Auch auf dem Sportforum am 27. Oktober. Dort können alle Vereine und Interessierte vorbeikommen. Es findet im Sport- und Vereinsheim der PSG am Seemoser Horn statt.
Dort werden Sie ja auch vorgestellt. Was werden Sie den Vereinen denn als Erstes auf den Weg geben?
Ich bin sehr interessiert alle Vereine kennenzulernen, gerne komme ich in die Vorstandssitzungen oder den Trainingsbetrieb der Vereine und stelle die Projekte des SSV und den Betreuungsverein persönlich vor. Bei Bedarf kann somit gleich über mögliche Kooperationen Schule, Verein und SSV gesprochen werden. Für mich ist aber in erster Linie wichtig, dass ich möglichst schnell möglichst viele Personen aus der Sportwelt in Friedrichshafen kennenlerne. So entwickeln sich Ideen und neue Ansatzpunkte.
Das Interview führte Vera Engelbart.

